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Gesetze der Freiheit / Unbekannter Künstler

Die Krypto-Währung „Libra“

Thema:

Eine kritische Einordnung der Krypto-Währungen durch die Allgemeine Geldtheorie am Beispiel „Libra“

Facebooks „Libra” stellt nur ein Gutscheinsystem dar

September 2019

Facebook befasst sich mit dem Gedanken, eine neue Währung zu kreieren. Geplant ist eine weitere Krypto-Währung, wie es schon der Bitcoin ist und die beide die Blockchain-Technologie benutzen. Diese Blockchain-Technologie gehört zum dezentralen öffentlichen Peer-to-Peer Netzwerk-Protokoll und garantiert u.a. die Fälschungssicherheit eines jeden Coins.

Mit dieser Fälschungssicherheit gehen alle „Krypto-Währungs-Emittenten“ mit der gewagten Behauptung in die Offensive, dass der eigentliche Wert ihres Konstruktes unmittelbar mit dieser Fälschungssicherheit garantiert sei. Das ist aber faktisch nicht der Fall, wie dies die katastrophalen Kursschwankungen des Bitcoins über die Jahre hinweg eindeutig belegen.

Aber ist das, was Facebook hier auf den Finanzmarkt bringen will, überhaupt etwas, was den Namen „Währung“ verdient? Die Antwort lautet: „Nein! Die Libra ist keine Währung”, und die Begründung liegt in diesem Fall außerhalb der Fälschungssicherheit, denn Fälschungssicherheit ist nicht das einzige und zugleich unmittelbare Kriterium aus der eine Währung gebildet wird.

Einige Publikationen und selbst die Facebook-Organisation in ihrer eigenen PDF stellen das Erscheinen und das Verschwinden der sogenannten „Coins“ wie folgt, jedoch ebenfalls hier faktisch falsch dar: „Im Gegensatz zu Bitcoin ist die Anzahl der Libra nicht begrenzt, sondern richtet sich nach der Nachfrage: Je mehr Menschen Fiatgeld in Libra umtauschen, desto mehr Libra werden ausgegeben. Sinkt die Nachfrage, werden überschüssige Coins zerstört.“

Dieses Sprach-Konstrukt, deren Wert dem Anschein nach über die Nachfrage gesteuert werden soll, muss man sich etwas genauer anschauen: Danach ist die Libra keine Währung sondern ein Tauschschein- oder Gutscheinsystem, ähnlich in der Form, wie sie bei Regionalwährungen bestehen. Grob zusammengefasst kann man dies alles unter den Oberbegriff „Schuldschein” stellen. Die Zerstörung der Coins – wie Facebook es selbst nennt – kann dabei nicht, wie von ihnen behauptet wird, über eine mangelnde Nachfrage erfolgen, sondern die Zerstörung überschüssiger Coins setzt eine Einlösung des damit verbundenen Liefer- oder Leistungsversprechens bei dieser Art von Nominalgütern voraus. Dass Facebook dies nicht so darstellt, ist eine Falschinformation und hat mit Bedenken und Vorurteilen gegen dieses Zahlungskonstrukt – wie manche Protagonisten dagegen halten, nichts zu tun. Es handelt sich hier um eine gefährliche Verharmlosung.

Zum folgenden Beispiel vorweg eine Erklärung: Wenn Facebook hier von „Coins“ spricht, so wird man diese kaum in der Wirklichkeit wahrnehmen. Diese Coins sind generell virtuelle Münzen und vielleicht wird man einige davon sogar zur Anschauung physisch herstellen wollen. Diese „Coins“ dienen dann lediglich zur Visualisierung oder Vergegenständlichung eines abstrakten Vorgangs. Das ist zulässig, wenn diese Visualisierung diesem abstrakten Vorgang auch annähernd entspricht. Das ist bei diesen „Coins“ von denen Facebook spricht aber nicht der Fall, weil das Ergebnis nicht eine Währung sondern lediglich nur ein Gutschein ist.

Der folgende Vergleich von Limodane bedient sich ebenso dieser Methode, ein abstraktes Geschehen zu vergegenständlichen oder in einem Bild darzustellen. Dieses Bild ist hingegen richtig.

Das Beispiel: Ein Gastwirt gibt Gutscheine aus (z.B. als Geschenkidee). Er erhält dafür Euros oder Dollars. Er spekuliert auch mit dem Gedanken, dass einige Gutscheine nicht eingelöst werden. Heimlich wünscht er sich sogar, dass niemand diese Gutscheine einlöst, denn dann könnte er die dafür erhaltenen Euros oder Dollars anderweitig verwenden und das wird er auch tun, mit kleinem oder großem Risiko. Erst wenn ein Gast kommt, Essen und Getränke bestellt und dazu einen Gutschein vorlegt, erhält er diesen Gutschein zurück. Der Gastwirt hat erst jetzt sein Leistungsversprechen eingelöst und einen Gutschein zurückerhalten. Diesen – aber eben nur diesen – kann der Gastwirt vernichten oder in seinen Tresor legen, um ihn irgendwann neu auszugeben. Bis zu dieser Einlösung wirken diese Euros oder Dollars für den Gastwirt wie ein zinsloser Kredit. Mit einer mangelnden Nachfrage, wie Facebook dies darstellt, hat dies überhaupt nichts zu tun. Im Gegenteil! Wie schon zuvor angedeutet, wäre diese mangelnde Nachfrage von dem Wirt bzw. Facebook sogar erwünscht. Was der Gastwirt aber niemals machen wird, wäre, die Euros oder die Dollars auf die Dauer in den Tresor zu legen. Der ist eigentlich nur für die zurückfließenden Gutscheine gedacht.

So ähnlich sollte man sich die Angelegenheit auch bei der Libra vorstellen, nur mit dem Unterschied, dass der Gastwirt sich hierbei Facebook nennt. Facebook ist aber ein unvergleichbarer anderer Player. Was ein Gastwirt nur auf der regionalen Ebene erreicht, nämlich Geld aufzunehmen und an sich zu binden, das wird Facebook weltweit zusammengerechnet mit Billionen von Dollars, Euros und weiteren Währungen machen. Die Sicherung der Libra will Facebook über ausgewählte Staatsanleihen gewährleisten. Es kann aber mit diesem Geld auch seinen eigenen Aktienkurs absichern oder manipulieren.

Was bei dieser Größenordnung nicht verwechselt werden darf, Facebook ist nicht Kunde dieser Staaten sondern Facebook macht diese Staaten zu seinen Kunden. Diese werden dann abhängig von Facebooks Gnaden sein. Kaum vorzustellen, so manches Gesetzesvorhaben gegen Facebook könnte einfach unter den Tisch fallen. Facebook wäre damit neben BlackRock ein weiteres Unternehmen aus der US-Sphäre, das mit ungeheuren Geldansammlungen den weltweiten Kapitalmarkt beeinflusst. Nur ist das Mittel „Blockchain-Libra“ mit dem Facebook eingreifen will, noch wesentlich effektiver. Dagegen würde BlackRock wie ein Klinkenputzer aussehen, wenn Facebook seine Absichten verwirklichen kann.

Eine weitergehende Analyse müsste das Vorhaben von Facebook als die Bildung und den Betrieb einer Schattenbank beurteilen. Facebook hat nämlich keinen Zugang zu den Zentralbanken und ist darum eindeutig auf Fremdkapitalien angewiesen. Diese Banken entziehen sich allgemein den staatlichen Finanzregulierungen und setzen ihr angesammeltes Kapital spekulativ ein. Eine hohe Anzahl von Schattenbanken sind z.Z. in London angesiedelt. Ein Vorstoß der EU-Kommission 2012, diese zu regulieren, blieb erfolglos. Es bleibt nun abzuwarten, wie sich Facebook bei dem anstehenden Brexit verhalten wird.

Aus der Libra-PDF: To implement this scheme, the Libra coin contract allows the association to mint new coins when demand increases and destroy them when the demand contracts. The association does not set a monetary policy. It can only mint and burn coins in response to demand from authorized resellers. Users do not need to worry about the association introducing inflation into the system or debasing the currency: fornew coins to be minted, there must be acommensurate fiat deposit in the reserve.

Übersetzt: Um dieses Schema umzusetzen, erlaubt der Libra-Münzvertrag dem Verband, neue Münzen zu prägen, wenn die Nachfrage steigt, und sie zu zerstören, wenn die Nachfrage sinkt. Der Verein legt keine Geldpolitik fest. Es kann nur auf Nachfrage von autorisierten Wiederverkäufern Münzen prägen und verbrennen. Die Benutzer müssen sich keine Gedanken darüber machen, dass der Verband Inflation in das System einführt oder die Währung herabsetzt: Damit neue Münzen geprägt werden können, muss eine angemessene Fiat-Einlage in der Reserve vorhanden sein.

Abstract. The Libra Blockchain is a decentralized, programmable database designed to support a low-volatility cryptocurrency that will have the ability to serve asan efficient medium of exchange for billions of people around the world. We present a proposal for the Libra protocol, which implements the Libra Blockchain and aims to create a financial infrastructure that can foster innovation, lower barriers to entry, and improve access to financial services. To validate the design o fthe Libra protocol, we have built an open-source prototype implementation — Libra Core — in anticipation of a global collaborative effort to advance this new ecosystem. The Libra protocol allows a set of replicas — referred to as validators — from different authorities to jointly maintain a database of programmable resources. These resources are owned by different user accounts authenticated by public key cryptography and adhere to custom rules specified by the developers of these resources. Validators process transactions and interact with each other to reach consensus on the state of the database. Transactions are based on predefined and, in future versions, user-defined smart contracts in a new programming language called Move. We use Move to define the core mechanisms of the blockchain, such as the currency and validator membership. These core mechanisms enable the creation of a unique governance mechanism that builds on the stability and reputation of existing institutions in the early days but transitions to a fully open system over time.

Übersetzt: Abstrakt. Die Libra Blockchain ist eine dezentrale, programmierbare Datenbank zur Unterstützung einer Krypto-Währung mit geringer Flüchtigkeit, die als effizientes Tauschmedium für Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt dienen kann. Wir legen einen Vorschlag für das Libra-Protokoll vor, das die Libra-Blockchain implementiert und darauf abzielt, eine Finanzinfrastruktur zu schaffen, die Innovationen fördern, Eintrittsbarrieren senken und den Zugang zu Finanzdienstleistungen verbessern kann. Um das Design des Libra-Protokolls zu validieren, haben wir einen Open-Source-Prototyp implementiert – Libra Core – in Erwartung einer globalen Zusammenarbeit, um dieses neue Ökosystem voranzutreiben. Das Libra-Protokoll ermöglicht es einer Reihe von Replikaten, die als Validatoren bezeichnet werden, von verschiedenen Behörden, gemeinsam eine Datenbank mit programmierbaren Ressourcen zu verwalten. Diese Ressourcen gehören verschiedenen Benutzerkonten, die durch Kryptografie mit öffentlichen Schlüsseln authentifiziert sind, und unterliegen benutzerdefinierten Regeln, die von den Entwicklern dieser Ressourcen festgelegt wurden. Validatoren verarbeiten Transaktionen und interagieren miteinander, um einen Konsens über den Status der Datenbank zu erzielen. Transaktionen basieren auf vordefinierten und in zukünftigen Versionen benutzerdefinierten intelligenten Verträgen in einer neuen Programmiersprache namens Move. Wir verwenden Move, um die Kernmechanismen der Blockchain zu definieren, z. B. die Währung und die Validator-Mitgliedschaft. Diese Kernmechanismen ermöglichen die Schaffung eines einzigartigen Governance-Mechanismus, der auf der Stabilität und Reputation bestehender Institute in der Anfangszeit aufbaut, aber im Laufe der Zeit zu einem vollständig offenen System übergeht.

https://cryptorating.eu/whitepapers/Libra/the-libra-blockchain.pdf

https://bankenverband.de/media/files/20190704_BdB_Libra_CJOC12m_2zLSJTQ.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Chiemgauer

Weiterführende Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Regionalw%C3%A4hrung

https://www.spiegel.de/wirtschaft/boerse-aktienrueckkaeufe-treiben-kurse-in-den-usa-nach-oben-a-1295095.html

(har)


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